Die Aufnahme von Geflüchteten ist eine vom Bund auf die Länder übertragene Pflichtaufgabe: Die Länder müssen nach dem Asylgesetz des Bundes (§ 44 AsylG) Asylsuchende unterbringen und die dazu erforderlichen Einrichtungen zur Erstaufnahme schaffen. Wie viele Geflüchtete jedes Land aufnehmen muss, wird nach dem sogenannten „Königsteiner Schlüssel“ errechnet. Auf Baden-Württemberg entfallen demnach rund 13 Prozent der nach Deutschland einreisenden Geflüchteten.
Die weltweite Migrationslage bleibt angespannt.
Die Anzahl der Menschen, die weltweit auf der Flucht sind, hat sich nach Angaben des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR) in den letzten 10 Jahren fast verdoppelt und ist auf dem höchsten Niveau seit Ende des Zweiten Weltkriegs. Während 2015 ca. 65 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht waren, lagen die Zahlen Ende 2025 bei 117,8 Millionen Menschen.
Die Flüchtlingszahlen sind im Jahr 2025 erstmals leicht gesunken. Jedoch liegt das vor allem an einem Rückgang der Binnenvertriebenen. Die Zahl der weltweit Asylsuchenden steigt seit 2016 jedoch Jahr für Jahr an (2016: 2,7 Millionen, 2025: 9 Millionen). Dies schlägt sich auch bei den Zugängen nach Europa, Deutschland und Baden-Württemberg nieder: 2022 wurden in Baden-Württemberg rund 176.000 Geflüchtete aufgenommen. Das sind deutlich mehr als in den Jahren 2015 und 2016 zusammen, dem Höhepunkt der damaligen Fluchtbewegungen. Darunter befanden sich 145.000 ukrainische Staatsangehörige, die nach Beginn des russischen Angriffskriegs auf ihr Land Schutz in Baden-Württemberg fanden. Gleichzeitig stieg aber auch die Zahl der Asylsuchenden (s. Abbildung unten).
In den Folgejahren ging die Zahl der Gesamtzugänge zwar wieder zurück, sie befindet sich aber weiterhin auf einem signifikanten Niveau: Im Jahr 2025 kamen rund 34.000 Geflüchtete in Baden-Württemberg an – im Zeitraum 2016 bis 2021 lag der durchschnittliche Wert pro Jahr bei 17.000 Geflüchteten.
Veränderungen bei den Hauptursachen von Flucht, wie insbesondere Krisen und Konflikte, Ernährungsunsicherheit und der fortschreitende Klimawandel, sind nicht erkennbar. Zudem ist die Lage in den Hauptherkunftsländern Afghanistan, Türkei und Syrien weiterhin volatil. Neue signifikante Fluchtbewegungen sind, beispielsweise mit Blick auf die Ukraine, den Gazastreifen oder den Iran, nicht auszuschließen.
Baden-Württemberg kann keinen direkten Einfluss auf die Anzahl der Zugänge nehmen. Das Land setzt sich jedoch im Rahmen seiner Möglichkeiten dafür ein, die Zahl der irregulären Einreisen nach Deutschland weiter und nachhaltig zu begrenzen und die Aufnahmekapazitäten in den Ländern und Kommunen zu entlasten. So unterstützt das Ministerium der Justiz und für Migration Baden-Württemberg den Bund weiterhin dabei, sich für geeignete Maßnahmen auf nationaler und europäischer Ebene einzusetzen.