Jens Rommel wird neuer Leiter der Zentralen Stelle zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen in Ludwigsburg

Datum: 13.10.2015

Kurzbeschreibung: Justizminister Rainer Stickelberger: „Idealbesetzung für die Leitung der international weithin bekannten und angesehenen Einrichtung“

Jens Rommel wird neuer Leiter der Zentralen Stelle zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen in Ludwigsburg. Er wird noch im Oktober die Nachfolge des bisherigen Leiters Kurt Schrimm antreten, der nach 15 Jahren an der Spitze der 1958 durch eine Verwaltungsvereinbarung aller Bundesländer gegründeten Institution Ende September in den gesetzlichen Ruhestand getreten ist. Dies teilte Justizminister Rainer Stickelberger am Dienstag (13. Oktober 2015) in Stuttgart mit.

 

„Ich freue mich sehr, dass mein Personalvorschlag für die Neubesetzung des Leiters der Zentralen Stelle die volle Zustimmung der anderen Bundesländer gefunden hat. Die Ermittlungstätigkeit der Zentralen Stelle ist weiterhin von immenser Bedeutung. Auch 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs können dank der akribischen Arbeit immer noch Verbrechen aus der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft aufgeklärt und verfolgt werden. Daher war es mir ein besonderes Anliegen, die Stelle auch künftig mit einem erfahrenen Staatsanwalt zu besetzen“, sagte Justizminister Stickelberger. Er verwies auf die umfassenden Erfahrungen in der staatsanwaltschaftlichen Praxis, die Jens Rommel unter anderem beim Generalbundesanwalt beim Bundesgerichtshof und zuletzt als stellvertretender Leiter der Staatsanwaltschaft Ravensburg gesammelt habe. „Während einer knapp dreijährigen Tätigkeit als Ressortbeobachter bei der Europäischen Union in Brüssel hat Jens Rommel auch sein großes diplomatisches Geschick und seine hervorragenden Fremdsprachenkenntnisse unter Beweis gestellt. Für die Leitung der auch international weithin bekannten und angesehenen Zentralen Stelle Ludwigsburg ist er damit eine Idealbesetzung“, so der Minister.

 

Weitere Informationen zu Jens Rommel:

 

Jens Rommel ist in Ellwangen geboren und in Ravensburg aufgewachsen. Nach dem Jurastudium in Augsburg, Lund, Würzburg und Lyon und dem anschließenden Referendariat in Augsburg trat er im Jahr 2003 in den baden-württembergischen Justizdienst ein. Nach Stationen an den Amtsgerichten in Biberach und Riedlingen sowie bei der Staatsanwaltschaft Ravensburg folgten mehrjährige Abordnungen an das Justizministerium Baden-Württemberg sowie an den Generalbundesanwalt beim Bundesgerichtshof. Im Mai 2010 übernahm Jens Rommel für das Justizministerium Baden-Württemberg die Stelle des Ressortbeobachters bei der Europäischen Union in Brüssel. Im Januar 2013 kehrte Rommel als Oberstaatsanwalt in die staatsanwaltschaftliche Praxis an die Staatsanwaltschaft Ravensburg zurück. Dort war er zunächst als Abteilungsleiter, später als ständiger Vertreter des dortigen Leitenden Oberstaatsanwalts tätig.  

 

Weitere Informationen zur Zentralen Stelle in Ludwigsburg:

 

Die Zentrale Stelle der Landesjustizverwaltungen zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen in Ludwigsburg nahm am 1. Dezember 1958 ihre Arbeit auf. Heute ist die gemeinsame Einrichtung der Landesjustizverwaltungen im In- und Ausland ein Begriff für die juristische Auseinandersetzung mit nationalsozialistischen Verbrechen. Die Zentrale Stelle führt - häufig in Zusammenarbeit mit ihren Ansprechpartnern im Ausland - Vorermittlungen zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen durch. Sie sammelt weltweit das gesamte erreichbare ermittlungsrelevante Material über nationalsozialistische Verbrechen, sichtet und wertet es aus. Hauptziel ist es dabei, nach Ort, Zeit und Täterkreis konkretisierte Tatkomplexe herauszuarbeiten und noch verfolgbare Beschuldigte festzustellen. Dann leitet sie den Vorgang an die zuständige Staatsanwaltschaft weiter, die über das weitere Verfahren zu entscheiden hat. Zur Bewältigung ihrer Aufgaben sind der Zentralen Stelle Staatsanwälte, Richter und Polizeibeamte zugewiesen, die mit ihrer Zustimmung aus den Bundesländern abgeordnet werden. Insgesamt verfügt die Zentrale Stelle neben dem Behördenleiter über fünf ermittelnde Beamte bei insgesamt 17 Bediensteten. Seit ihrer Gründung hat die Zentrale Stelle 7.569 Vorermittlungsverfahren eingeleitet. In vielen Fällen handelte es sich um Sammelverfahren mit einer großen Zahl von Beschuldigten oder einer Vielzahl von Straftaten. 7.557 dieser Verfahren wurden an die Staatsanwaltschaften abgegeben. Derzeit sind 12 Vorermittlungsverfahren anhängig. Die Zentrale Stelle hat bislang über 117.515 Überprüfungs- und Rechtshilfevorgänge sowie Auskünfte bearbeitet. Die Zentralkartei enthält über 1,7 Mio. Karteikarten, gegliedert nach Personen, Tatorten und Einheiten (Stand der statistischen Zahlen: 31. Dezember 2014).

 

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