Haus des Jugendrechts in Stuttgart-Bad Cannstatt erweitert

Datum: 29.06.2015

Kurzbeschreibung: Behördenübergreifende Zusammenarbeit von Staatsanwaltschaft, Polizei und Jugendhilfe - „Rasche und individuelle erzieherische Einwirkung auf junge Straftäter durch enge Verzahnung von Justiz, Polizei und Jugendhilfe“

Das Haus des Jugendrechts in Stuttgart-Bad Cannstatt hat seinen Zuständigkeitsbereich erweitert. Nach einer einjährigen Erprobungsphase wird die im Jahr 1999 gegründete Einrichtung künftig für den gesamten Amtsgerichtsbezirk Stuttgart-Bad Cannstatt mit rund 232.000 Einwohnern zuständig sein. In den Häusern des Jugendrechts arbeiten Vertreterinnen und Vertreter von Staatsanwaltschaft, Polizei und Jugendhilfe eng zusammen.

„Das Haus des Jugendrechts in Stuttgart-Bad Cannstatt war bei seiner Gründung im Jahr 1999 das erste seiner Art in ganz Deutschland. Seither hat das Konzept in der Fachwelt große Anerkennung gefunden und sich bundesweit zu einem wahren Exportschlager und Impulsgeber entwickelt“, sagte Justizminister Rainer Stickelberger anlässlich einer Feierstunde am Montag (29. Juni 2015) im Polizeipräsidium Stuttgart und wies auf weitere Einrichtungen in Mannheim und Pforzheim, aber etwa auch in Frankfurt, Köln, Mainz und Kaiserslautern hin. „Die Idee ist simpel und einleuchtend: Erzieherische Intervention bei jungen Menschen ist dann besonders einprägsam, wenn sie rasch nach der Straftat und im persönlichen Kontakt erfolgt. Dies gewährleisten unsere Häuser des Jugendrechts durch die enge Verzahnung von Justiz, Polizei und Jugendhilfe“, so Minister Stickelberger. „Die Polizei profitiert in besonderem Maß von dieser Zusammenarbeit. Der in den vergangenen Jahren rückläufige Trend im Bereich der Jugendkriminalität ist kein Zufall, sondern wird nicht zuletzt durch die umfassenden und aufeinander abgestimmten Maßnahmen aus einer Hand in den Häusern des Jugendrechts unterstützt“, betonte Innenminister Reinhold Gall.

Polizeivizepräsident Norbert Walz sagte, die Polizei freue sich über die Erweiterung auf den gesamten Amtsgerichtsbezirk Stuttgart-Bad Cannstatt und sei überzeugt, dass das Haus des Jugendrechts weiterhin ein Erfolgsmodell bleibe. „Die neu eingeführten Organisations- und Ablaufstrukturen haben sich bereits bestens bewährt“, so Walz.

"Die Landeshauptstadt Stuttgart begrüßt es als großen Fortschritt, dass es gelungen ist, das Haus des Jugendrechts auszuweiten und so konsequent  von einer Insellösung zu einer Flächenlösung zu kommen, „ betonte Stuttgarts Sozialbürgermeisterin Isabel Fezer: "Mir ist es besonders wichtig, junge Menschen nicht nur als jugendliche Straftäter, sondern in ihrer gesamten Persönlichkeit zu betrachten und ihnen sowie ihren Familien ganzheitliche und kontinuierliche Beratung und Unterstützung aus einer Hand, im jeweiligen Stadtbezirk, anzubieten."

 

Weitere Informationen zu den Häusern des Jugendrechts:

In den Häusern des Jugendrechts sind all diejenigen Institutionen zusammengeführt, die vor Ort an Jugendstrafverfahren beteiligt sind: Staatsanwaltschaft, Polizei und Jugendhilfe. Auch das jeweils zuständige Gericht ist in die Verfahren eingebunden. Die enge Zusammenarbeit führt zu einer Beschleunigung von Verfahren. Zudem ist es möglich, individuell auf die jugendlichen Straftäter einzugehen.

Bereits seit 1999 besteht das bundesweit anerkannte Haus des Jugendrechts in Stuttgart-Bad Cannstatt. Grundlage für die Zusammenarbeit im Haus des Jugendrechts ist eine Kooperationsvereinbarung zwischen der Staatsanwaltschaft Stuttgart, dem Polizeipräsidium Stuttgart, der Stadt Stuttgart und dem Amtsgericht Stuttgart-Bad Cannstatt. Nach der nun erfolgten Erweiterung umfasst die örtliche Zuständigkeit den gesamten Amtsgerichtsbezirks Stuttgart-Bad Cannstatt mit rund 232.000 Einwohnern. Hierzu zählen neben den Stuttgarter Stadtteilen Bad Cannstatt und Münster die Stadtbezirke Untertürkheim, Obertürkheim, Feuerbach, Mühlhausen, Stammheim, Weilimdorf und Zuffenhausen. Inhaltlich ist das Haus des Jugendrechts grundsätzlich für alle Straftaten zuständig, die von in diesem Gebiet wohnhaften Personen unter 21 Jahren begangen werden. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart ist mit zweieinhalb Stellen an der Arbeit des Hauses des Jugendrechts beteiligt. Das Polizeipräsidium Stuttgart stellt für das Haus des Jugendrechts in dauernder Präsenz neun Vollzugsstellen, davon drei Kriminal- und sechs Schutzpolizeibeamte. Als spezialisierter Dienst des Jugendamtes ist die Jugendhilfe im Strafverfahren im Haus des Jugendrechts vertreten.

Neben Stuttgart-Bad-Cannstatt gibt es in Baden-Württemberg bislang zwei weitere Häuser des Jugendrechts, nämlich in Mannheim und Pforzheim. Die Landesregierung hat sich in ihrem Koalitionsvertrag für eine Ausweitung der Einrichtungen auf geeignete Städte in Baden-Württemberg ausgesprochen.

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