Baden-Württemberg plant als erstes Bundesland Umstellung der Ausbildung der Gerichtsvollzieher auf ein Fachhochschulstudium

Datum: 05.10.2015

Kurzbeschreibung: Justizministerium durchläuft erfolgreich unabhängiges Akkreditierungsverfahren - Justizminister Rainer Stickelberger: „Qualitätsoffensive zur Sicherung des hohen Niveaus der Gerichtsvollzieherausbildung“

Die Ausbildung der Gerichtsvollzieherinnen und Gerichtsvollzieher in Baden-Württemberg soll künftig durch ein Fachhochschulstudium erfolgen. Die unabhängige Evaluationsagentur Baden-Württemberg (evalag) hat dem entsprechenden Konzept des Justizministeriums für ein dreijähriges Bachelorstudium die Akkreditierung erteilt. Dies teilte Justizminister Rainer Stickelberger am Montag (5. Oktober 2015) in Stuttgart mit. Bislang ist die Ausbildung als 20-monatige Sonderlaufbahn des mittleren Justizdienstes konzipiert.

 

„Die Gerichtsvollzieherinnen und Gerichtvollzieher leisten tagtäglich eine sehr anspruchsvolle und hochverantwortungsvolle Tätigkeit. Neue Ermittlungs- und Vollstreckungsbefugnisse und zunehmend komplexe wirtschaftliche Zusammenhänge bringen neue Anforderungen und ein Mehr an Verantwortung mit sich. Um das hohe Niveau der Gerichtsvollzieherausbildung im Land auch künftig zu sichern, planen wir daher als erstes Bundesland eine echte Qualitätsoffensive durch die Umstellung der Ausbildung auf ein Fachhochschulstudium“, sagte Justizminister Stickelberger. Er wies auf die große rechtsstaatliche Bedeutung des staatlichen Vollstreckungssystems hin. „Im Gegensatz zu privaten Inkassounternehmen sind die Gerichtsvollzieherinnen und Gerichtsvollzieher nicht nur den Gläubigerinteressen verpflichtet, sondern gewährleisten daneben schon von Gesetzes wegen den ebenfalls gebotenen Schuldnerschutz“, so der Minister.

 

Das dreijährige Studium soll an der staatlichen Hochschule in Schwetzingen erfolgen, wo heute bereits die Rechtspflegerinnen und Rechtspfleger des Landes ausgebildet werden. Dabei sollen nicht nur die elementaren rechtlichen Grundlagen etwa aus dem Zwangsvollstreckungsrecht, Bürgerlichen Recht und Kostenrecht vermittelt werden. „Unsere Gerichtsvollzieherinnen und Gerichtsvollzieher werden hier auch das notwendige betriebswirtschaftliche Know-How erlernen, um ihr eigenes Büro mit qualifiziertem Personal und entsprechender Betriebsausstattung erfolgreich managen zu können“, erläuterte der Minister. Den Studierenden sollen zudem Grundzüge psychologischer Schlüsselkompetenzen im Bereich Kommunikation, Rhetorik und Gesprächsführung vermittelt werden. Ferner werden sie für den adäquaten Umgang mit Konflikten und Extremsituationen grundlegende Kenntnisse der Eigensicherung (z. B. in einem Selbstverteidigungskurs) erwerben. Um eine enge Verzahnung zwischen Theorie und Praxis zu sichern und die Studierenden optimal auf ihre berufliche Tätigkeit vorzubereiten, ist außerdem eine einjährige, auf die theoretischen Inhalte präzise abgestimmte Praxisphase vorgesehen. Dort haben die angehenden Gerichtsvollzieherinnen und Gerichtsvollzieher die Gelegenheit, aus erster Hand den praktischen Arbeitsalltag in einem Gerichtsvollzieherbüro und in einem Gericht kennenzulernen.

 

Nach den derzeitigen Planungen kann der neue Studiengang im September nächsten Jahres starten. Bewerbungen können bereits jetzt bei den Oberlandesgerichten Karlsruhe und Stuttgart eingereicht werden. Weitere Informationen finden sich auf der speziell eingerichteten Internetseite www.mit-recht-in-die-zukunft.de.

Fußleiste