Weinsommer 2017



Rede von Herrn Minister Guido Wolf MdL zur Eröffnung des „Weinsommers“ am 13. Juli 2017 in der Vertretung des Landes Baden-Württemberg bei der EU in Brüssel mit rund 350 Gästen aus der EU und deren Umfeld sowie aus Baden-Württemberg


Unter den Brüsseler Gästen waren EU-Kommissar Günther H. Oettinger, der Präsident des Ausschusses der Regionen der EU, Karl-Heinz Lambertz, der Vizepräsident des Europäischen Parlaments, Rainer Wieland, der Ministerpräsident der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens, Oliver Paasch, der EU-Abgeordnete Albert Deß, der im Agrarausschuss des EU-Parlaments eine gewichtige Stimme hat, sowie zahlreiche wichtige Ansprechpartner für baden-württembergische Anliegen aus den EU-Institutionen sowie deren Umfeld.



Sehr geehrte Damen und Herren,

Sie sehen es schon am Ambiente, an den Einrichtungen und Utensilien, wie wir die Räume geschmückt haben, dass wir Sie in diesem Jahr zu einem Weinsommer eingeladen haben.

„Drei Glas Wein machen hundert Streitgesprächen ein Ende.“ - Vielleicht auch eine gute Idee für Europa, um in manchen schwierigen Verhandlungen ein bisschen Impuls zu setzen, auf dass die Gespräche gut verlaufen.

Mit diesen Worten und dem darin steckenden Hinweis auf die befriedenden Wirkung des Rebensaftes, begrüße ich Sie herzlich hier in unserer Vertretung des Landes Baden-Württemberg in Brüssel.

Ich freue mich, dass Sie gekommen sind, dass sie so zahlreich gekommen sind und um ehrlich zu sein, ich finde wir haben Ihnen für Brüsseler Verhältnisse, beste Witterungsbedingungen geschaffen.

Wer unser Land kennt, weiß um die vielen Weinfeste und Winzerfeste, allen voran vielleicht das Stuttgarter Weindorf. Feste, die jedes Jahr hunderttausende von Gästen anziehen. Diese Atmosphäre des geselligen Gedankenaustausches und der Gaumenfreude, diesen Weinsommer, wollen wir heute auch nach Brüssel tragen.

Meine Damen und Herren, „Wir können alles außer Hochdeutsch“ - diesen Slogan kennen Sie und meist folgt darauf die Erinnerung an die wirtschaftliche Spitzenstellung Baden-Württembergs: Wir allein erbringen 15 Prozent des deutschen Bruttoinlandsprodukts, wir investieren knapp 5 Prozent unseres Bruttoinlandsprodukts in Forschung und Entwicklung. Aber heute wollen wir Ihr Augenmerk auf eine etwas andere Facette des Landes Baden-Württembergs richten. Auch eine Top-Position, in punkto Tourismus und Weingenuss. Über 52 Mio. Übernachtungen im Jahr sprechen für uns, „Black Forest“ oder etwa der „Lago di Costanza“, weltweit bekannte Bilderbuch- und Urlaubslandschaften. Unsere Landsleute schätzen Baden-Württemberg als ein Land des Genusses und einer Küche, die Bodenständigkeit und Regionalität mit moderner Raffinesse verbindet. Wir sind auch ein ausgesprochen sternenreiches Land, wenn Sie einen Blick in die Michelin ausgezeichneten Restaurants werfen.

Doch was wäre die gute Küche ohne einen guten Wein? - In Baden-Württemberg wird in jeder vierten in unseren rund 1.100 Gemeinden Weinbau betrieben. Heute Abend, auch die Präsentationen der Tourismus Marketing GmbH Baden-Württemberg und der Weinbauverbände Baden und Württemberg in der Galerie, wir wollen Sie heute mit Besonderheiten aus Baden-Württemberg verwöhnen. Lassen Sie sich das nicht entgehen.

Meine Damen und Herren, ich will diese Veranstaltung aber auch zum Anlass nehmen, in einer Zeit, in der so viel über Europa diskutiert wird, in der sich die Menschen vielleicht mehr denn je Gedanken darüber machen, wie wichtig Europa für uns ist, eine Lanze für Europa zu brechen. Unsere Landesvertretung hier in Brüssel - sie feiert dieses Jahr übrigens ihr 30-jähriges Bestehen - sie ist eben nicht nur ein Ort des Genusses - so wie wir ihn heute erleben. Sondern sie ist für uns der Platz, im Herzen der Europäischen Union, als Baden-Württemberger auch europäische Flagge zu zeigen. Und das ist in diesen Zeiten besonders wichtig. Und deshalb will ich heute Abend in besonderer Weise, dazu animieren und einen Impuls setzten, dass Europa vor allem auch wieder eine mutige Jugend braucht.

Dass wir eine junge Generation brauchen, die in Europa Vertrauen setzt. Wir wissen etwa, aus dem Referendum über den Brexit, dass es vor allem die jungen Menschen waren, die nicht wollten. Wir müssen sie aber wieder motivieren und mobilisieren, für dieses Europa auch einzutreten, zur Wahl zu gehen. Und wenn Europa auch eine mutige Jugend braucht, dann ist das auch Anlass über die Jugendarbeitslosigkeit in Europa nachzudenken.

Bei uns in Baden-Württemberg, hervorragende Bildungschancen, 2,5 Prozent Jugendarbeitslosigkeit, auf den ersten Blick, kein Thema. Aber in Italien mit 37 Prozent, in Spanien mit 38 Prozent in Griechenland mit 46 Prozent, droht eine ganze Generation in Hoffnungslosigkeit und Frustration erwachsen zu werden. Das ist eine europäische Herausforderung. Es muss auch uns darum gehen, der Jugend in Europa, einer mutigen Jugend für Europa, Perspektiven zu geben. Europa wichtiger denn je, meine Damen und Herren.

Wir sprechen oft davon, dass Europa eine Wertegemeinschaft ist: Demokratie und Rechtsstaatlichkeit, Meinungs- und Pressefreiheit und vieles mehr. Aber zur europäischen Wertegemeinschaft muss auch gehören, dass wir jungen Europäerinnen und Europäern eine Perspektive geben können. Dass wir dafür sorgen, dass junge Menschen in allen Mitgliedsstaaten eine Berufsqualifizierung erwerben und die Chance bekommen, Ihr Leben in die eigenen Hände zu nehmen. Denn was wir brauchen, was Europa braucht, ist eine junge Generation voller Tatendrang und Enthusiasmus. Wir treten ein, und eine solche Veranstaltung ist Anlass, dieses auch zu dokumentieren, für ein selbstbewusstes Europa. Baden-Württemberg als Region im Herzen Europas will, dass unser Kontinent dabei auch in den kommenden Jahren Kurs hält. Dass wir die Herausforderung durch Mächte wie China oder Russland annehmen und unsere Gesellschaft offensiv vertreten. Dass wir Partner wie die Türkei entschlossen an die Wahrung gemeinsamer Verpflichtungen in Sachen Demokratie und Rechtsstaatlichkeit erinnern. Und dass wir manchmal irrlichternde Freunde auf der anderen Seite des Atlantiks dazu ermutigen, Ihrerseits die Werte des Westens nicht in Frage zu stellen.

Und vielleicht sind all dies die Entwicklungen, die uns in Europa wieder näher zusammen bringen, die uns auf die Straße treiben, Pulse of Eurpe, für Europa einzutreten und sich auch zu Europa zu bekennen.

Europäische Verantwortung kostet auch Geld. Deswegen ist es auch wichtig, dass unser Haushaltskommissar heute Abend bei uns ist.

Man darf sich nicht wegducken, sondern wird auch für dieses Europa das Portemonnaie öffnen müssen. Grenzschutz, Terrorabwehr, gemeinsame Rüstungsprojekte und eine engere militärische Zusammenarbeit erfordern die gebündelten Ressourcen Europas. Im Gegenzug - auch das darf ich Dir, lieber Günther, als unserem „schwäbischen“ Kommissar mit auf den Weg geben - wird sich die EU an anderer Stelle vielleicht auch etwas bescheiden müssen.

Wir müssen natürlich auch darüber nachdenken, wie wir den „Brexit-Gap“, den Wegfall des zweitgrößten Nettozahlers, von etwa 10 - 12 Mrd. € pro Jahr verdauen. Die Debatte um den Mehrjährigen Finanzrahmen der EU nach 2020 wird deshalb das ganze Können, unseres Haushaltskommissars, Günther Oettingers erfordern.

Bevor es soweit ist, möchten wir Ihnen heute aber nochmal Gelegenheit zur Stärkung geben. Wein, Gastlichkeit und gutes Essen zeichnen Baden-Württemberg schließlich genauso aus, wie wirtschaftliche Spitzenleistungen.

Präsident Schneider vom Badischen Weinbauernverband und Präsident Hohl vom Weinbauerverband Württemberg, wir sind uns diese Woche bei der Verleihung der Weintourismuspreise schon einmal begegnet. Sie werden Ihnen deshalb in charmanter Begleitung ihrer jeweiligen Weinhoheiten, später noch die Besonderheiten und Charakteristika der Weine aus unserer Heimat vorstellen.

Ich selbst möchte mich bei allen bedanken, die diesen Abend so wunderbar vorbereitet haben. Es ist immer ein großer Kraftakt, viele Stars im Hintergrund, Ihnen allen ein herzliches Dankeschön. Und ich möchte Ihnen für den heutigen Abend, auch vielleicht im Hinblick auf die angesprochenen Verhandlungen die Inschrift am Haus des Weines in Bordeaux mit auf den Weg geben. Ich zitiere „Die Kultur des Weines ist diejenige, wo die Menschen sich kennenlernen wollen, statt sich zu bekämpfen.“

In diesem Sinne wünsche ich uns heute Abend, gute Begegnungen, herzlich willkommen!

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