„Ich stelle deswegen den Satz auf: Ein Unrechtsstaat wie das Dritte Reich ist überhaupt nicht hochverratsfähig.“ (Fritz Bauer)

Datum: 07.05.2015

Kurzbeschreibung: Justizminister Rainer Stickelberger eröffnet Ausstellung „Fritz Bauer. Der Staatsanwalt“ im Landgericht Tübingen

Justizminister Rainer Stickelberger hat am Donnerstag (7. Mai 2015) die Ausstellung „Fritz Bauer. Der Staatsanwalt - NS-Verbrechen vor Gericht“ im Landgericht Tübingen eröffnet. Das Justizministerium Baden-Württemberg präsentiert die Ausstellung im Landgericht Tübingen vom 8. Mai bis 26. Juni 2015.

 

In seiner Rede betonte Stickelberger: „Fritz Bauer war in vielen Diskussionen seiner Zeit voraus; er hat sich dadurch nicht nur Freunde gemacht, aber er ließ sich selbst durch Drohungen nicht mundtot machen.“ Fritz Bauer habe Geschichte geschrieben als Generalstaatsanwalt, der den Frankfurter Auschwitz-Prozess auf den Weg brachte - gegen alle Widerstände, denen er ausgesetzt war als jüdischer Remigrant und als Staatsanwalt, der für eine Humanisierung des Strafrechts kämpfte.

 

Fritz Bauer begann seine Arbeit für die Justiz im Jahr 1930 am Amtsgericht Stuttgart. Studiert hatte er in Tübingen, München und Heidelberg. Als Jude blieb er vom Antisemitismus nicht verschont. Als Sozialdemokrat glaubte er dennoch an den Fortschritt. Dann musste er vor den Nationalsozialisten fliehen. Nach dem Krieg kehrte Fritz Bauer nach Deutschland zurück und revolutionierte als Staatsanwalt das überkommene Bild des Amtes.

 

„Ich bewundere an Fritz Bauer seine Hartnäckigkeit und seine Überzeugungskraft, als es darum ging, Deutschland und der Welt mit Anklageschriften und Zeugenaussagen die schrecklichen Dimensionen der Vernichtungsfabrik Auschwitz vor Augen zu führen“, erklärte Justizminister Stickelberger in seiner Rede und fasste zusammen: „Ein mutiger Mann, ein Jurist, der sich auch gut als Vorbild für angehende Richterinnen und Staatsanwälte eignet.“

 

Der Präsident des Landgerichts Tübingen, Reiner Frey, betonte in seiner Begrüßung, ein Gericht dränge sich als Ort für die Ausstellung geradezu auf: „Waren doch Gerichte zentrale Wirkungsstätten für den Kampf Fritz Bauers gegen das Vergessen. Und ein Gericht ist auch deshalb der richtige Ausstellungsort, weil man sich hier am besten der eher kläglichen Rolle der Nachkriegsjustiz im Blick auf die Verfolgung von Holocaust-Verbrechern und -Leugnern besinnen kann.“

 

Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer unterstrich in seinem Grußwort: "Die Nachkriegsjustiz war vielfach geprägt von personeller Kontinuität der NS-Zeit. Mit Fritz Bauer ehren wir einen der Juristen, der sich beharrlich der Aufarbeitung von NS-Verbrechen gewidmet hat. Es hätte mehr von seinem Schlag gebraucht."

 

„Fritz Bauer. Der Staatsanwalt - NS-Verbrechen vor Gericht“ ist eine Ausstellung des Fritz Bauer Instituts, Geschichte und Wirkung des Holocaust, Frankfurt am Main, in Zusammenarbeit mit dem Jüdischen Museum, Frankfurt am Main, in Kooperation mit dem Thüringer Justizministerium. Die Ausstellung steht unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten Joachim Gauck.

 

Das Begleitprogramm umfasst Vorträge, Diskussionen und eine historische Stadtführung.

 

Das Justizministerium hatte die Ausstellung in den Monaten Februar bis April 2015 bereits im Landgericht Heidelberg präsentiert. Weitere Stationen waren das Jüdische Museum, Frankfurt am Main, und der Thüringer Landtag, Erfurt.

 

Öffnungszeiten der Ausstellung:

 

Montag – Freitag: 8.00 bis 18.00 Uhr

 

An Feiertagen geschlossen.

 

Der Eintritt ist frei.

 

Die Ausstellung wird gefördert durch die Stiftung Polytechnische Gesellschaft, die Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur, das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz, das Hessische Ministerium der Justiz, für Integration und Europa, die Georg und Franziska Speyer’sche Hochschulstiftung, die Fazit-Stiftung sowie Christiane und Nicolaus Weickert.

 

 

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